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TB 22. August 2008 - Schon verloren?
Es ist passiert, ich habe ihn schon so gut wie vergrault. Mittwoch bin ich wieder komplett durchgedreht. Ich hatte die übelsten Entzugserscheinungen, noch niemals hatte ich dabei solche Schmerzen, kalte Schweißausbrüche, solchen Schüttelfrost, solche Panikattacken und Dissos. Er war der Horror, der pure Horror. Warum mache ich so was? Nur weil jemand sagt ich könnte doch einfach auf die ganzen Tabletten verzichten, meine Medikamente absetzen. Dann überlegte ich, wie ich diese Medikamente jemals wieder absetzen kann. Ich habe so viele Dinge schon durch die Medis eingebüßt, sowohl gute als auch schlechte, aber es ist ein furchtbares Gefühl zu spüren das ein solch intensives Gefühl wie der Wunsch zu sterben, sich selbst zu töten, durch Tabletten unterdrückt werden kann. – Mal ehrlich, wie viel ist dann noch von mir da wenn ich sie nehme und welche Wahl bleibt mir da? Absetzten und mich bei der nächsten schlechten Situation, den nächsten Tiefpunkt dann umbringen oder schlimmer noch, wieder einmal einem geliebten Menschen zumuten mich zu finden und dann zu „retten“ und sich dabei denke: „LASS MICH DOCH BITTE STERBEN!“ oder die Tabletten weiter nehmen und eigentlich gar nicht ich sein und hoffen und betten, dass ich sie irgendwann wirklich absetzten darf und dann wirklich nicht mehr so denken werde? Am liebsten würde ich mich einfach bis zu meinen Lebensende so mit Tabletten, Alkohol, und Schmerzen zu dröhnen, dass ich einfach in meiner kleinen, heilen Welt, meine Gedankenwelt abtauche – ganz und gar. Tja und genau das habe ich gemacht, ich habe mir 5mg Tavor, 200mg Eunapan und 800mg Ibu mit vier Bier reingepfiffen (so dass ich zwar wach bleibe, aber die ganze Chemie mein Gehirn komplett einnebelt!) und auch den Schmerz habe ich mir geholt. Und dann, dann habe ich das gemacht was M. letztendlich vergraulen wird: Ich hatte ein wahnsinniges Bedürfnis zu reden, doch Katja hatte ich bereits mitgeteilt, dass ich nun in meine Welt abtauchen werde und ich ihr keine Freundin mehr sein kann (als ob ich das jemals wirklich gewesen wäre, ich bin eine Versagerin, keine Freundin die irgendwem helfen kann oder von irgendwem gebraucht wird!). Da bat ich M. noch einmal kurz zu mir zu kommen. Er musste alles mitbekommen, meine Heulkrämpfe, mein Kotzen als ich es nicht mehr aushielt etwas im Magen zu haben und ich glaube sogar das ich zwischendurch mal weg war. Ich bin mir auch nicht sicher, aber ich glaube auch der er die frischen Schnitte gesehen hat. Alles eben auf einmal. Es muss ihn vergrault haben und wenn ich das wirklich bisher nicht gemacht habe – dann wird es früher oder später doch meine panische Angst ihn zu verlieren und wieder allein zu sein, ohne ihn. Dann wird es dadurch passieren. Ich liebe Ihn aber ich weiss ich werde ihn verlieren, Und DAS tut grauenhaft weh! |
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TB 17. August 2008 - M.
Vor ca. 1,5 Jahren im B9 haben wir uns das erste Mal getroffen. Dion hat uns damals einander vorgestellt, doch aus irgendwelchen mir heute unerfindlichen Gründen, war der Zeitpunkt um uns kennen zu lernen noch nicht gekommen. Natürlich weiss ich, dass die Überlegung, hätten wir uns nur dort schon ineinander verliebt – wäre mir viel in den letzten 1,5 Jahren erspart geblieben – nichts an den Ereignissen geändert hätte, sondern mach mich gerade höchstens traurig oder böse und wütend. Doch bei dem Gefühl was diese Gedanken gerade in mir auslösen kann ich sie unweigerlich nicht aus meinem Kopf verbannen. Er ist so wunderbar. Seine Art zu lachen und die Grübchen die sich beim Lachen um seinen Mund bilden. Die Art wie die Farbe seiner Augen sich mit dem Licht verändern und sein Geruch, oder wie er, wenn wir rausgehen, zwischendurch immer mal wieder meinen Blick sucht.... und dann, jedes Mal, kribbelt und flattert es so schön in meinem Bauch. Ich liebe seine Zärtlichkeit, die Art wie er küsst und den Sex mit ihm und ganz besonders wie ich mich dabei fühle. Er ist verdammt sexy wenn er einfach mit nacktem Oberkörper und Jeans vor mir steht, mit der perfekten männlichen Behaarung. Alles ist perfekt! Aber ich werde ihn verlieren und diese Gedanke tut einfach schrecklich weh. Irgendwann, irgendwann wir er sehen wie schrecklich ich bin und dann wir er mich auch alleine lassen. Es ist immer so gewesen und auch wenn er denkt, dass dies quatsch ist... es kann nicht anders sein und ich kann das nicht noch mal durchstehen Nicht bei IHM!!! |
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Zwischengedanken
Manchmal frage ich mich wie mein Leben verlaufen wäre, wenn vollkommen andere Menschen in den entscheidenden Momenten in meinem Leben an meiner Seite gewesen wären. Doch wann genau hätten die anderen Menschen an meiner Seite auftauchen sollen. Könnte ich das überhaupt zeitlich festlegen oder einschätze und würde ich nicht unter gewissen Umständen bei einigen „Bekanntschaften“ die ich bisher gemacht habe Ausnahmen machen wollen. Welche Menschen haben mich ausschließlich negativ beeinflusst, in dem Maße, dass ich auf diese Beeinflussung verzichten möchte, denn es ist nicht so, dass uns auch die negativen Dinge beeinträchtigt habe und uns Beispielsweise zu dem Schluss gebracht haben diese Dinge nicht selbst in unsere Handlungen einzubringen? |
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Ein Jahr älter...
Seit genau 10 Tagen bin ich nun 26 Jahre alt. Naja wenn man es genau nimmt habe ich zum 27 mal meinen Geburtstag gefeiert und mein 26. Lebensjahr beendet und bin dementsprechend nun in meinem 27. Lebensjahr. Leider kann ich nicht im geringsten sagen, dass ich dem vergangenem Lebensjahr wirklich viel positives abgewinnen konnte... ab Mitte Juni 2007 habe ich in Bremen gewohnt mit und bei meinem damaligen Freund Til, Til K. (Zahnarzt, damals 31 Jahre alt, wegen Depressionen und einer Angststörung, gleichzeitig mit mir auch in der Parklandklinik gewesen). Ich glaube ich habe noch nie solche Hoffnungen in eine Beziehung gesetzt wie in die zwischen Til und mir und wenn ich vollkommen ehrlich sein soll war ich auch bisher niemals auf die Art in einen Menschen verliebt, wie ich in Til verliebt war. Anfangs brachte er solches Verständnis für ich, für meine Probleme, für meine Krankheit auf, dass ich zum ersten Mal das Gefühl bekam wirklich ich sein zu können, mich wirklich fallen lassen zu können. Bis Til sich um 180° Grad drehte, war ich noch nie so glücklich. Die neue Stadt, Bremen gab mir die Möglichkeit wirklich neu Anfangen zu können. Mit einer quasi ungeschriebenen Identität. Ich habe mir einen neuen Job gesucht, hatte die Möglichkeit ohne irgendwelche Kenntnisse meiner Vergangenheit neue Freunde oder zumindest neue Bekannte zu finden. Til und ich zogen in eine wirklich schöne Wohnung doch es war schon längst alles kaputt. Gleichzeitig erfüllten sich meine größten Wünsche um im nächsten Moment kaputt zu gehen. Am 12. Oktober 2007 verlor ich nach nur sieben Wochen Til und mein Baby. Wenn ich heute an Til zurückdenke fällt mir im ersten Moment immer sein Blick ein, diese böse Blick mit dem er sich über den meinen lustig machte wenn wir gestritten hatte und ich kurz vor dem weinen stand weil ich nicht glauben konnte wie sehr er sich verändert hatte. Wenn ich bei meiner Erinnerung über diesen ersten Moment hinaus komme, fällt mir meiste als nächstes ein, was er bei einem Restaurant besuch zu mir gesagt hatte... “... du brauchst keine Angst zu haben, wenn es dir zu viel wird verschwinden wir sofort und wenn dir jemand was antun möchte... ich brauche nur drei Sekunden...!“ Wo ist diese Til von damals hin? Ich würde diesem Til gerne sagen wie schmerzlich ich ihn vermisse! Doch ein inneres Gefühl sagt mir, dass ich ihn diesen Til nie wieder sehen werde, also bleibt mir nichts anderes übrig als ihm in meinem Herzen lebe wohl zu sagen. Im November 2007 bin ich dann nach einer gewissen Schlüsselsituation schnellst möglich wieder zurück nach Aachen gekommen. Meine Angst wurde einfach zu groß. Ich hatte Angst vor Til, Angst davor, er würde mir vielleicht auch noch körperlich weh tun, Angst davor es würde nicht bei meinen drei Selbstmordversuchen im Jahr 2007 bleiben. Mein ganzes Leben entglitt mir, wieder, in nur wenigen Wochen. Ich brauchte dringend Hilfe doch in Bremen war ich vollkommen allein und konnte keinen Ausweg für mich finden. In Aachen wurde ich dann im November 2007 geschieden und nur wenige Tage danach ließ ich mich in die Psychiatrie des Klinikums einweisen. Acht Wochen wurde ich auf der Borderline-Station „behandelt“, ich lernte zum ersten mal DBT (Dialektisch-behaviorale Therapie) nach Marsha M. Linehan kennen und stabilisierte mich wieder, wenigstens etwas jedenfalls. In den folgenden sechs Monaten bekam ich eine Soziale Betreuerin an meine Seite gestellt, meldete mich zur Arbeitstherapie an und gab meine Therapie bei meiner Therapeutin, bei der ich immerhin zwei Jahre war, auf. Im April nahm ich meinen Mädchennamen wieder an und ich denke bis auf wenige Ausnahmen war dies bereits schon das Beste der ersten sieben Monate, des Jahres 2008. Ganze acht Monate habe ich wieder bei meinen Eltern gelebt. In dem Haus, welches mich mehr auf negative als auf positive Weise geprägt hat, mir viele tränenreiche Stunden, Tage und Wochen bescherte und indem meine Kindheit ein jähes Ende fand. Acht Monate wieder in dem Haus in dem wir als Familie gelebt haben ohne wirklich eine zu sein, in dem Haus, indem ich lernen musste, dass eine gewisse Art von Einsamkeit in meinem Leben allgegenwärtig ist, war und wohl immer sein wird. Nichts hatte sich in den letzten 7 ½ Jahren nach meinem Auszug an der Atmosphäre in diesem Haus verändert und selbst mein Vater schien seine Einstellung und sein Verhalten mir gegenüber in den letzten Jahren nach meinem Auszug nicht verändert zu haben. Alles in allem kann man sagen das die Zeit in meinem Elternhaus nicht im geringsten einem schönen Schwelgen in Erinnerungen auch nur ähnlich war. Es wird wahrscheinlich recht verständlich sein das ich mich nach den letzten 12 Monaten ziemlich wohl in meiner neunen Wohnung fühle, und selbst nach dieser kurzen Zeit kann ich wirklich mit Gewissheit sagen, dass ich mich hier mit meiner kleinen Tara schon jetzt richtig zu Hause fühle! Ich würde mir nur wünschen das lähmende Gefühl der Angst und das zermürbende Gefühl der Einsamkeit tief in mir, würden endlich von meinem Herz und meiner Seele ablassen. Wie nun schon mein Leben lang, blickte ich auch dieses Jahr am 15. Juli auf ein schmerzvolles, trauriges und anstrengendes Lebensjahr zurück, welches überwiegend ein Kampf für mich bedeutete. Statt endlich vergangenes zu verstehen, zu verarbeiten und damit abzuschließen, sah ich mich ständig und immer wieder neuen Konfrontationen ausgesetzt, die meine ganze Aufmerksamkeit forderten. So wurde der Berg der Probleme, der bewältigt werden will nicht ein Stück abgetragen sondern statt dessen noch vergrößert. Vielleicht absurd oder es spricht nur das naive Kind aus mir, aber ich denke und hoffe das nächste Lebensjahr kann nur besser werden und wenn auch nur ein bisschen... Sarah |
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SCHLUSS
Ich halte den Druck nicht mehr aus ich finde hier keine Ruhe mehr (dieser Credit-Layout-Kram ist einfach zu viel) dies sollte ein Platz sein, an dem ich frei sein konnte meine Gedanken loswerden konnte aber er ist es schon lange nicht mehr vielen Dank für die tollen Kommentare bezüglich etwas was ich nicht gemacht habe es gibt nirgendwo einen Platz für mich NIRGENDWO selbst im World Wide Web |
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